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21.04.2026

Der Vater der Lokomotive

George Stephenson (1781—1848) wurde in der Nähe eines Bergwerks in Wylam (Northumberland) geboren. Schon als Junge hatte er eine feste Beschäftigung in der Zeche, zuerst als Kohlensortierer, später als Pferdekutscher auf der Sohle. Stephenson war eine technische Naturbegabung. Während er aufwuchs, nahm er alles auf, was er über die Geheimnisse der Maschinen erfahren konnte, indem er die Fördermaschinen und Pumpen in den Zechen reparierte und verbesserte. 1812 war er Maschinenbauer in Killingworth. Ein Jahr später hatte er es schon zum Ingenieur gebracht und besaß den Ruf, der fähigste Mann im Umgang mit Dampfmaschinen in Northumberland zu sein.
Dampflokomotive 1 Er rechtfertigte diesen Ruf, als er am 25. Juli 1814 eine fünf Tonnen schwere Dampflokomotive vollendete, die er Mylord nannte. Sie zog acht Waggons mit einem Gewicht von dreißig Tonnen über die Schienen des Killingworth-Bergwerks.
Im folgenden Jahrzehnt baute Stephenson etwa ein Dutzend Lokomotiven dieses Typs. Obgleich seine Konstruktionen nichts völlig Neues darstellten, sondern mehr Verbesserungen schon bestehender Bauarten waren, meinte Stephenson, dass eine Eisenbahnlinie, auf der Lokomotiven fahren können, dem Weg auf dem Wasser an Schnelligkeit weit überlegen ist. Auf einer langen und günstigen Strecke könnten Lokomotiven hundert Kilometer am Tage mit vierzig bis sechzig Tonnen Frachtgut zurücklegen.
Dies war tatsächlich möglich. Aber zunächst war es nötig, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die Lokomotive zu lenken. Bis dahin waren alle Dampfwagenlinien — und jede der etwa ein Dutzend Lokomotiven, die auf ihnen liefen — private Unternehmen, die in Bergwerken und Eisenhütten betrieben wurden, wo die besten Dampfwagen schon bewiesen hatten, dass sie für Gütertransporte wirtschaftlicher waren als Pferde. Was die Lokomotive brauchte, war öffentliches Aufsehen. Und das ließ sich damals - und läßt sich auch heute noch - am besten erreichen, indem man Dampfzugfahrten zur Personenbeförderung vorführt.
Dampflokomotive 2 Zu diesem Zweck und um dabei vielleicht auch etwas Geld zu verdienen, begann eine Gruppe von Geschäftsleuten, mit denen sich Stephenson vertraglich verbunden hatte, dem Parlament eine öffentliche Eisenbahnlinie zwischen der Kohlenstadt Darlington und dem Hafen Stockton schmackhaft zu machen — mit Erfolg. Die Lokomotive, die Stephenson für die Jungfernfahrt baute, war robust und zuverlässig. Ihre bedeutendste Verbesserung war ein Stangenpaar, das die Vorderräder mit den Hinterrädern verband. Diese Vorrichtung sorgte dafür, dass die Antriebskraft auf beide Achsen übertragen wurde, und sich die Zugkraft der Lokomotive auf diese Weise drastisch erhöhte.
Am 27. September 1825 wurde die Maschine, die man Locomotion getauft hatte, an eine Reihe von Wagen gekoppelt, in denen man sechshundert Passagiere verstaut hatte. Es wurde eine Strecke von 20 Kilometern Länge störungsfrei zurückgelegt.